Texte

Die Jubelbude

Text von Lindy Annis & Johannes Barner 2015

Die Bilderserie „Die Jubelbude“ ( 2009/10) von Torsten Prothmann besteht aus 13 Stilleben nach Fotografien in Öl auf Leinwand. „Die Jubelbude“ ist ein Multi-Porträt eines Raumes, dem Pogo Cowboy Dandy Club, das Wohnzimmer eines Westberliner Freundes des Künstlers. Die Stilleben feiern die Gegenstände des verlassenen, privaten Clubs: der Tisch, der Stuhl, das Sofa, der Kachelofen, der gefüllte Aschenbecher, leere Bierflaschen, runtergebrannte Kerzen, der einzelne Turnschuh, die Plattensammlung, die Stereoanlage, der Fernseher, die Bilder an der Wand. Der gemalte Zyklus zeigen die Gegenstände des Clubs wiederholt und verdoppelt in verschiedenen Perspektiven, der Betrachter wird zum Detektiv, zum Archäologen, indem er anhand der Gemälde versucht (freiwillig oder unfreiwillig, bewußt oder unbewußt) den ganzen Club in seiner Dreidimensionalität zu rekonstruieren: der 2. Schuh unter dem Sofa, der volle Aschenbecher aus verschiedenen Blickwinkeln, das Poster von Marianne Faithfull an der Wand in verschiedenen Schärfen.
Die Gegenstände der 13 Stilleben stehen für eine gerade abwesende Gesellschaft *und funktionieren als Historienbilder, denn sie beziehen sich auf die Rituale der vergehenden Gesellschaft West-Berlins mit der Musik von Nick Cave, Frank Zappa und den dazugehörigen berauschten Gesprächen über die Fragen des Lebens.

*Siehe auch „Von Cezanne zu Prothmann: Die neue Funktion des postmodernen Stillebens“
Lindy Annis & Johannes Barner

 

Baustelle / Construction site

Text von Johannes Barner 2015

„Das Stadtschicksal Berlins besteht darin, immerfort zu werden und niemals zu sein“, Karl Scheffler.
Der Berliner Maler Torsten Prothmann nimmt mit seinen Stadtansichten das Thema der Baustelle in einer Serie auf. Der Maler entdeckt seine Motive auf dem Weg von der Wohnung ins Atelier, in der Mitte Berlins.
Die Bilder sind abstrakt-gegenständlich in der Materialität der Baustellen:
Erde Sand, Wasser, Stein, Kabel, Glas, Holz, Matsch, etc. Dabei bleibt das Amorphe stärker im Bild als das Konstruktive einer Baustelle. Sie erinnern an die Berliner Baustellenbilder von Adolf Menzel in der Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts und dessen Bauboom. Wie auch Menzel interessieren TP die Zwischenzustände, die Brachflächen, nicht der idealisierte Architekturaufriss oder das computergenerierte sterile Bild. Hier ist das Bild der Baustelle das amorphe Material. Es sind dirty pictures: Grundwasser fliesst im Sand, Ytongsteine liegen herum, Kabel winden sich ungeordnet in einem Haufen.
Torsten Prothmanns Bilder stehen in der Tradition der klassischen Berliner Stadtveduten.
Johannes Barner

 

Offenheit ist eines meiner Grundprinzipien, ein Gespräch von Ulrich Grüter

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 automobil

Text von Christiane Kant zur Ausstellung „autoMobil“ im Pavillon am Milchhof 2010

Seit 2000 fotografiert Torsten Prothmann bei seinen Streifzügen durch Berlin selten gewordene Autotypen mit einer Vorliebe für das Design der 60er und 70er Jahre.
Diese Recherchen bilden das Ausgangsmaterial seiner Gemälde.
In lockerem Farbauftrag entstehen verblüffend präzise Autoportraits. Der glänzende Lack auf der wohlgeformten Motorhaube in dem sich der Stadtraum spiegelt lässt den Klang des startenden Sechszylinders erahnen. Prothmanns Malerei verdichtet sich aus dem Skizzenhaften zum Gemälde. Bei der Umsetzung seiner Motive geht es ihm weder um die bloße Abbildung, noch verkommen sie zu reinem malerischen Anlass. Mittels seiner stark begrenzten Farbpalette und seinem weichen malerischen Duktus transformiert er die fotografischen Vorlagen in seine künstlerische Sprache. Dabei werden die Autos zu Akteuren einer Geschichte, zum „ Alter Ego¨ des Betrachters.
Christiane Kant